Was ist eine „ethische Supply Chain“?

Heutzutage gelten Supply Chains als unternehmensstrategisch. Die Erfüllung der Kundenerwartungen an ethische Supply Chain Prozesse wird für Supply Chain-Manager immer mehr zur höchsten Priorität.

Im vergangenen Jahr fanden die Experten für Supply Chain Research APICS (in Englisch) heraus, dass 83 Prozent der Supply Chain-Spezialisten ethisches Verhalten für extrem oder sehr wichtig für ihr Unternehmen halten. Wenn man den Marken- und Reputationsschaden – ganz zu schweigen von den rechtlichen Auswirkungen unethischer Arbeit betrachtet, ist der Grund nicht schwer zu verstehen. Doch auch heute noch findet man internationale Marken mit unethischen Praktiken in ihren Supply Chains.

Moderne Supply Chains sind global, komplex und mehrstufig. Dadurch können unethische Praktiken ohne das Wissen des Unternehmens stattfinden. Für ein großes Unternehmen reicht es nicht mehr aus zu wissen, was Ihr Lieferant tut. Sie müssen wissen, wie ihr Lieferant vorgeht, und die Lieferanten ihres Lieferanten, und so weiter.

So gaben beispielsweise 93 Prozent der Unternehmen in der Fashionindustrie (in Englisch) zu, dass sie immer noch nicht wissen, wo ihre Baumwolle verarbeitet wurde. Dies kann ein sehr kostspieliger Fehler sein. Nachdem 1996 bekannt wurde, dass bei einem Sportbekleidungshersteller Kinderarbeit geleistet wurde, musste das Unternehmen Millionen von Dollar an Bußgeldern zahlen. Weitaus schwerwiegender war, dass 15 Prozent des Unternehmenswerts vernichtet wurden. Doch dieses Unternehmen ist heute ein gutes Vorbild für ethisches Verhalten in der Supply Chain.

Die ethische Supply Chain: Warum ist es so wichtig, ethisch zu handeln?

Die Kunden sind mittlerweile informierter und anspruchsvoller und das ist gut so. Umfragen haben gezeigt, dass unter den Millennials bis zu 9 von 10 Marken gegen eine andere ausgetauscht werden, die ihrer Meinung nach ethischer handelt. Einige Schätzungen deuten darauf hin, dass es Geschäftschancen im Wert von  996 Milliarden Dollar (in Englisch) für Unternehmen gibt, die in ihrem gesamten Unternehmen einen ethischen Ansatz verfolgen.

Eine der überraschendsten Erkenntnisse ist, dass die Kunden bereit sind, mehr für Produkte zu bezahlen, die ethisch und nachhaltig sind. Im Jahr 2016 zeigte der Nielsen Global Corporate Sustainability Report (in Englisch), dass bis zu 66 Prozent der Befragten bereit sind, mehr für Waren zu bezahlen, die positive soziale und ökologische Auswirkungen haben. Ein weiterer Studie ergab, dass die Kunden sogar bereit waren, einen Aufpreis von bis zu 25 Prozent (in Englisch) für ethisch produzierte Produkte zu zahlen.

Wie definiert man eine ethische Supply Chain?

Moderne Supply Chain-Prozesse sind heutzutage wesentlich kundenorientierter geworden. Viele Unternehmen nutzen ihre Supply Chain strategisch, um Geschäftsinitiativen voranzutreiben und das Kundenerlebnis zu verbessern. Den Kunden zu beliefern bedeutet, seine Bedürfnisse und Erwartungen zu verstehen. Nachhaltigkeit und ethisches Handeln sind heute wichtige Alleinstellungsmerkmale. Laut EuroMonitor International (in Englisch) geben 65 Prozent der Verbraucher an, dass sie versuchen, durch ihre Wahl beim täglichen Einkauf einen positiven Beitrag zu leisten.

Eine ethische Supply Chain arbeitet so, dass sie ein Höchstmaß an ethischem und nachhaltigem Handeln integriert. Dies umfasst drei Kernelemente: wirtschaftliche, ökologische und soziale Verantwortung. Dabei liegt der Schwerpunkt auf diesen Details:

  • Abschaffung von Kinder- und Sklavenarbeit
  • Sichere und hygienische Arbeitsbedingungen
  • Faire Bezahlung und Arbeitszeiten
  • Bekämpfung von Bestechung und Korruption
  • Ethisches Sourcing und Beschaffung
  • Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit

In komplexen globalen Supply Chains ist es die Sache aller, ethisches Handeln sicherzustellen. Dies betrifft die Mitarbeiter des Unternehmens, seine Lieferanten, Kunden und Handelspartner. Jeder einzelne hat eine wichtige Rolle zu spielen.

Fälle wie der Sportbekleidungshersteller zeigen: Unternehmen können sich nicht von der Verantwortung für das, was in ihren Supply Chains passiert, befreien. Interessanterweise ist dies ein Bereich, in dem Supply Chains einen Vorteil gegenüber anderen Geschäftsbereichen haben können. So sind die Transparenz und Sichtbarkeit, die Supply Chain-Experten weltweit in ihre Prozesse integriert haben, genau das Richtige. So können sie sicherstellen, dass ethische Richtlinien und Praktiken eingehalten werden.

Wo stehen wir heute?

Das gemeinsame Merkmal vieler prominenter Fälle wie des Sportbekleidungsherstellers ist die mangelnde Transparenz. Es geht darum, genau zu sehen, was auf jeder Ebene der Supply Chain vor sich geht. Ein Unternehmen benötigt ein klares Verständnis der Prozesse seiner Lieferanten, auch zu Beginn eines Vertrages. Wie sonst kann es die Leistung seiner Lieferanten vor dem Hintergrund sich ständig ändernder Umwelt-, Markt- und politischer Bedingungen überwachen und steuern?

Die APICS-Studie (in Englisch) zeigte, dass 71 Prozent der Unternehmen einen Verhaltenskodex für Lieferanten hatten, aber nur gut die Hälfte diesen durchsetzt. Ebenso gaben 70 Prozent der Befragten an, dass sie eine verbindliche Richtlinie haben, um zu verstehen, wo die Produkte hergestellt werden. Nur 43 Prozent gaben an, dass sie wissen, wie ihre Lieferanten tatsächlich arbeiten.

Im Mittelpunkt einer ethischen Supply Chain stehen Informationen. Ein Unternehmen muss auf Informationen über seine Lieferanten und deren Aktivitäten zugreifen können. Sie müssen auch in der Lage sein, diese Informationen den Partnern und Kunden zugänglich zu machen. Kernbereiche wie Arbeitsverträge und -bedingungen, die Herkunft von Materialien, die Umweltverträglichkeit und die finanziellen Prozesse müssen überwacht werden können. Unternehmen müssen in der Lage sein, Verstöße von Lieferanten gegen ihre ethischen Richtlinien zu erkennen und schnell Abhilfemaßnahmen zu ergreifen.

Neue Systeme zur Erfassung und Verwaltung von Daten in der gesamten Supply Chain sind vonnöten. Laut APICS werden bei nicht einmal der Hälfte (in Englisch) der weltweit befragten Supply Chain-Betreiber Software und Technologien zur Überwachung der Lieferanten-Compliance eingesetzt. Bei OpenText™ arbeiten wir mit führenden Unternehmen weltweit zusammen, um ihre ethische Kompetenz zu verbessern. Wir liefern Tools und Lösungen, um die Transparenz und Sichtbarkeit der Supply Chain zu gewährleisten, die jedes moderne Unternehmen benötigt. Wir werden uns in zukünftigen Blogposts noch weiter mit den ethischen Supply Chains und den zugrundeliegenden Technologien befassen.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie OpenText zur Verbesserung Ihrer Supply Chain beitragen kann, kontaktieren Sie uns bitte.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

 

Jeff Eckel

Jeff Eckel ist Product Marketing Director für OpenText Business Network mit den Schwerpunkten Supply Chain Automation, Retail, Vendor Compliance und B2B-Integration. Während seiner mehr als 13-jährigen Tätigkeit bei OpenText war er außerdem in den Bereichen Produktmanagement, Lösungsberatung und Professional Services tätig

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